Die blaue Bank

Taschenbuch Format A5 mit 404 Seiten

 

Enthält die Kurzgeschichten aus dem Buch „… und eines Tages kam der GIST“, aber ohne die Kapitel, wo es im Detail um die GIST-Erkrankung geht. Dafür gibt es kleine Ergänzungen und zwei neue Kapitel.


Leseprobe aus dem Kapitel „Inferno am Badestrand“

Einen Schock bekam ich erst, als ich zu unserem Auto kam. An der Fahrertür fehlte die Scheibe. Ich dachte sofort, dass unser Auto aufgebrochen worden war – nicht verwunderlich, wo ich jetzt im hellen Tageslicht die Umgebung sah. Aber da hatte ich mich zum Glück getäuscht. Es waren keine Glasscherben neben dem Auto und auch nicht auf dem Sitz zu sehen. Dann erkannte ich meinen Irrtum. Ich hatte wohl bei der Suche nach einer Unterkunft in der Dunkelheit die Scheibe heruntergekurbelt, um besser nach draußen sehen zu können und vergessen, sie vor dem Aussteigen wieder hochzudrehen. Der erste Blick in das Handschuhfach – auch nicht abgeschlossen – beruhigte mich dann. Die Geldbörse meiner Frau, die kleine Kamera und unsere Reservierungsbestätigung lagen noch da. Auch auf der Rückbank schien nichts zu fehlen. Ein letzter Blick in den Kofferraum wäre eigentlich nicht notwendig gewesen, denn der war ja abgeschlossen. Ich schaute trotzdem hinein. Alle Koffer und Taschen waren vorhanden. Es war sinnlos, darüber nachzudenken, warum mir beim Abschließen der Fahrertür nicht aufgefallen war, dass die Fensterscheibe komplett heruntergekurbelt war. Heute könnte das eher passieren, wo man das Auto mit dem Funkschlüssel oft erst abschließt, wenn man schon ein paar Meter entfernt ist. Wir konnten kaum glauben, was wir für ein Glück gehabt haben. Landen nachts in dunkler Straße in einem zwielichtigen Hotel, lassen das Auto offen und am nächsten Tag fehlt nichts. Sonst hätte der Urlaub in Lyon zu Ende sein können. Entweder ist in der Nacht niemand durch die Straße dort gelaufen oder es waren nur ehrliche Menschen. Und jetzt werde ich unbescheiden. Nett wäre es natürlich gewesen, wenn jemand die heruntergelassene Scheibe gesehen und diese dann hoch gekurbelt hätte. Schon am Abend, als wir ankamen, und wohl auch in der Nacht, hat es immer ein wenig vom Himmel getröpfelt. Deshalb hatte ich die Scheibe zum besseren Rausgucken auch geöffnet gehabt. Aber richtig reingeregnet hatte es nicht ins Auto. Der Fahrersitz war trocken.

 

Erleichtert setzen wir die Fahrt fort. Zur Mittagszeit hatten wir dann ein kleines Problem aufgrund unserer fehlenden Französischkenntnisse. Der Kellner in einem Restaurant konnte oder wollte uns absolut nicht verstehen, nicht auf Deutsch und nicht auf Englisch. Und nicht einmal, als ich in Richtung des Nachbartisches auf einen Teller dort zeigte. …